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Bericht 08

Onboarding neu denken: Ein Meilenstein ist erreicht

AP 08 hat sich zum Ziel gesetzt, Onboarding über die EET durch curriculare Verankerung neuer Lehrformate auszuweiten und dabei Mix-and-Match-Kollaborationen zwischen Erstsemestern und Studierenden höherer Semester sowie praxisnahe Präsentationsformate von Studienleistungen zu ermöglichen. In einem der Pilotstudiengänge ist diese curriculare Verankerung ab WS 26/27 erreicht.

Aktuelle und zukünftige Studierende möchten laut Jugendstudien in Bildungssystemen „mitreden, sich mitteilen und Gehör finden" (Calmbach et al., 2024, S. 306). Dies kann als Auftrag an Universitäten verstanden werden, durch Onboarding-Maßnahmen die Studierenden von Beginn an in ihren Bedürfnissen abzuholen.

Aus der von uns im AP 08 des BaKuLe-Projekts durchgeführten Ist-Standanalyse durch Erstsemesterbefragung an der Otto-Friedrich-Universität kann zudem abgeleitet werden, dass das Knüpfen von Kontakten insbesondere zu Lehrenden und zu Studierenden in höheren Semestern noch wesentlich unterstützt werden kann.

Zugleich konnte herausgearbeitet werden, dass diese Kontakte mit einer höheren Zufriedenheit mit den eigenen Leistungen im Studium sowie einer Vervielfachung der Einschätzung, die Anforderungen im Studium besser erfüllt zu haben als erwartet, einhergehen (Struck et al., 2026). Die akademische und soziale Integration in den gewählten Studiengang verringert Studienabbrüche (Franz & Paetsch, 2023).

Onboarding kann nicht in wenigen Einführungstagen abgeschlossen werden. Vielmehr gilt es, Studierende im gesamten ersten Semester gezielt einzubeziehen und gleichzeitig Kontakte zu höheren Semestern und Lehrenden zu unterstützen.

Miteinander einsteigen: Soziale Integration

In einem der AP 08 Pilotstudiengänge (Mittelschullehramt im Fach Mathematik) des BaKuLe-Projekts wurde ein Seminarkonzept entwickelt, das konsequent auf Kollaborationen in semesterübergreifenden Gruppen setzt. Im neu konzipierten WIR-Seminar (Wissen gemeinsam erarbeiten) werden in Kleingruppen durch Mix-and-Match-Verfahren Studierende aus dem 1. und 3. Fachsemester mit gleichen Fächerkombinationen zusammengebracht. Die Zusammenarbeit kann damit im besten Fall zu Kontakten führen, die sich über das Seminar hinaus, auf andere Seminare und den gesamten Studienverlauf positiv auswirken können, da passende Ansprechpersonen Erfahrungsaustausch und kooperative Lerngemeinschaften ermöglichen.

Wissenschaftlich einsteigen: Akademische Integration

Damit akademische Integration und Partizipation gelingen kann, gilt es Risiken des Scheiterns zu minimieren. Diese identifizieren Jugendliche dort, wo sie Verantwortliche nicht ernst nehmen oder sogar als „naiv und unerfahren diskreditieren" (Calmbach et al., 2024, S. 306). Das Konzept des Seminarangebots sieht folglich vor, Erstsemesterstudierende mit ihren Partner:innen aus höheren Semestern orientiert an wissenschaftlichen Forschungsmethoden des Studienfachs direkt in Verantwortung zu nehmen.

Gemeinsam werden zu erarbeitende Inhaltsfelder und Forschungsfragen aus einem Angebot möglicher Themen bzw. nach Eingrenzung des Themenspektrums anhand von Literatur eigenständig ausgewählt. Dozierende müssen also im Vorfeld geeignete Inhalte auswählen und entsprechenden Zugang zu Literatur schaffen. Im Modell des forschenden Lernens nach Selje-Aßmann (2020) wird dabei die Dimension der (thematischen) Vorstrukturierung bei der Entwicklung der spezifischen Forschungsfrage gemäß „Börse" bzw. „Priming" (S. 71) genutzt. Die Rolle der Dozierenden wechselt dann zu bedarfsorientierter Betreuung, Beratung und Coaching. Der inhaltliche Fokus liegt dabei auf dem Erwerb von Fachwissen und Wissen über wissenschaftliches Arbeiten in Literaturrecherche, Auswertung und Darstellung für andere (hier als Präsentationen). Da der Pilotstudiengang dem Lehramtsstudium zugeordnet ist, kann diese Aufbereitung für die Präsentation für andere (inkl. Fachfremde) auch die fachdidaktische Perspektive auf Fachinhalte stärken.

Pilotierung: Erste Erfahrungen

Im Sommer 2026 wurde das Seminar-Konzept erprobt. Studierende erarbeiteten in Kleingruppen unter anderem Wissen zu typischen Schwierigkeiten mit dem Bruchrechnen oder zur Wahrscheinlichkeit und bereiteten ihre Ergebnisse auf verschiedenste Weisen auf. Am Ende des Semesters wurden die erarbeiteten Ergebnisse auch externen Gästen vorgestellt.

Einblick in die Ausstellung der digitalen oder analogen Präsentationen Abbildung 1: Einblick in die Ausstellung der digitalen oder analogen Präsentationen

Diskussion der Ergebnisse mit interessiertem Publikum Abbildung 2: Diskussion der Ergebnisse mit interessiertem Publikum

Alle Studierenden, die an der Abschluss-Evaluation teilgenommen haben, würden das Seminar weiterempfehlen und bestätigen zudem ‚viel’ bis ‚sehr viel’ gelernt zu haben. Besonders erfreulich bezüglich einer der Zielsetzungen des neuen Seminars ist, dass die Lehrveranstaltung laut Evaluationsergebnissen alle darin bestärkt hat, ihr Studium fortzusetzen.

Zukünftig sind neben den Kurzreferaten begleitend zu den Präsentationen für die teilnehmenden Studierenden aus höheren Semestern regelmäßig auch wissenschaftliche Ausarbeitungen von kleinen Forschungsprojekten oder zu fachdidaktischen Umsetzungen der Inhalte vorgesehen. Fachliche und fachdidaktische Inhalte so aufzubereiten, erlaubt somit vertieft, Wissenschaftlichkeit als wesentlichen Orientierungsmaßstab bewusst wahrzunehmen.

Fazit und Stand der Umsetzung

Das erfolgreich pilotierte Seminarkonzept kann auch in anderen Fachdisziplinen in ähnlicher Form ausgerollt werden. Es adressiert allgemeine Fähigkeiten, die laut OECD et al. (2020) den wesentlichen Future Skills 2030 zugeordnet werden können: Durch die kollaborative Kleingruppenarbeit werden soziale und emotionale Skills wie Empathie, Selbstwirksamkeit, Verantwortung und Zusammenarbeit gefördert. Durch die fachliche Zielsetzung werden kognitive und metakognitive Skills wie kritisches und kreatives Denken und darüber hinaus das Lernen zu lernen und Selbstregulierung fokussiert. Je nach Ausrichtung werden auch praktische Skills wie der Umgang mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien angesprochen.

Die Konzeption des WIR-Seminars sieht die fachinhaltliche Zusammenarbeit zwischen Erstsemestern und höheren Semestern vor. In Konsequenz muss das Seminarangebot direkt alle Erstsemester erreichen und dieselben Studierenden in höheren Semestern zum erneuten Besuch einladen. Beide Teilnahmezeitpunkte müssen obligatorisch sein und durch Vergabe von ECTS-Punkten anerkannt werden. Durch geeignet wechselnde Inhaltsangebote wird zudem gewährleistet, dass auch für die höheren Semester ‚neue’ Fachthemen erarbeitet werden und sie ihr Expertisewissen aus Grundvorlesungen weiter vertiefen können. Die Umsetzung wurde als Pflichtseminar für 1. und 3. Semester in einem der Module des Studiengangs ausgearbeitet, im Gremiengang ab dem Wintersemester 2026/27 genehmigt und damit die curriculare Verankerung erreicht. Als weitere Meilensteine des AP 08 sind damit in einem ersten Schritt Mix-and-Match-Kollaborationen zwischen Erstsemestern und Studierenden höherer Semester und praxisnahe Präsentationsformate von Studienleistungen umgesetzt. Das WIR-Seminar wird weiterhin evaluiert, Effekte auf die zweite Welle der kontrollierten Befragungen in den Pilotstudiengängen, die im 3. Fachsemester stattfinden, werden geprüft und die Umsetzung in den folgenden Jahren aufgrund dieser Ergebnisse weiter optimiert.

Literatur

Calmbach, M., Flaig, B., Gaber, R., Gensheimer, T., Möller-Slawinski, H., Schleer, C., & Wisniewski, N. (2024). Wie ticken Jugendliche? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Eine SINUS-Studie im Auftrag von Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, DFL Stiftung. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.sinus-institut.de/media-center/studien/wie-ticken-jugendliche-2024

Franz, S. & Paetsch, J. (2023). Academic and social integration and their relation to dropping out of teacher education: a comparison to other study programs. Frontiers in Education, 8:1179264. https://doi.org/10.3389/feduc.2023.1179264

OECD, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Telekom Stiftung, Education Y e.V., Global Goals Curriculum e.V., Siemens Stiftung (2020) (Hrsg.). OECD Lernkompass 2030: Future of Education and Skills 2030 – Rahmenkonzept des Lernens. Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/oecd-lernkompass-2030-all

Selje-Aßmann, N. (2020). Forschendes Lehren und Lernen – ein mehrdimensionales Modell für die Lehrpraxis aus Perspektive der empirischen Wissenschaften. In C. Wulf, S. Haberstroh & M. Petersen (Hrsg.). Forschendes Lernen: Theorie, Empirie, Praxis (S. 65–80). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-31489-7

Struck, O., Stöckl, A., Steinweg, A., Treiber, E., Stricker, S., & Bruckmeier, M. (2026, 19. Februar). Projektbericht: Einführungstage der Universität Bamberg: Einflussreich, gut bewertet, weiterzuentwickeln! Projekt-BaKuLe. https://projekt-bakule.de/ergebnisse/2026-einfuehrungstage-befragung/

Das BaKuLe-Teilprojekt Onboarding und Absolventenbefragung: Die Erprobung und Implementierung erfolgt im Rahmen des Projektes Onboarding des universitätsweiten Projektes BaKuLe (Bamberger Kulturen der Lehre gemeinsam gestalten). Projektziel: Verbesserung der Einführung in das universitäre Leben, der Studienkompetenz sowie der praxisorientierten wissenschaftlichen Qualifizierung. Einbezogen werden Lernende und Lehrende, Verwaltung sowie Erfahrungen zum Studien- und Berufseinstieg vorheriger Kohorten.

Das Team: Prof. Dr. Anna Susanne Steinweg und Dr. Eva Katharina Treiber, Didaktik der Mathematik & Informatik; Prof. Dr. Stefanie Stricker und Dr. Marco Bruckmeier, Deutsche Sprachwissenschaft; Prof. Dr. Olaf Struck und Andreas Stöckl, M.Sc., Soziologie, Arbeitswissenschaft. In Kooperation mit Anna Pickelmann, Dezernat Planung und Qualitätsmanagement und Dr. Katharina Kanitz, Referat II/2 Zentrale Studienberatung.