Der KI-Policy-Generator unterstützt Lehrende dabei, individuelle KI-Richtlinien für ihre Lehrveranstaltungen zusammenzustellen. Das Werkzeug stellt rund 50 vorgefertigte Textbausteine aus acht Themenbereichen bereit, die sich im Browser auswählen, anpassen und als fertige Policy exportieren lassen. Es entstand im Arbeitspaket “Moderne Prüfungsformate” des BaKuLe-Projekts in Zusammenarbeit mit dem CIO der Universität Bamberg.
Ausgangsproblem
Viele Hochschulen haben inzwischen übergreifende Leitlinien zum Umgang mit generativer KI veröffentlicht. Diese Leitlinien bleiben zwangsläufig allgemein: Sie können nicht regeln, ob in einem konkreten Seminar KI-generierte Texte abgegeben werden dürfen oder wie die Kennzeichnung aussehen soll.
Ohne eine solche Struktur entscheiden Lehrende ad hoc und nach eigenem Ermessen. Die Folge: Studierende erleben von Kurs zu Kurs unterschiedliche, oft widersprüchliche Regeln, die selten schriftlich fixiert sind. Der KI-Policy-Generator setzt an dieser Lücke an – zwischen zu groben Hochschulleitlinien und zu beliebigen Einzelentscheidungen.
Das Werkzeug
Der Generator bietet rund 50 Textbausteine, gegliedert in acht Bereiche:
- Einleitung
- Grundlagen und Lernziele
- Erlaubte und verbotene Nutzung
- Urheberrecht und Datenschutz
- Kennzeichnung der KI-Nutzung
- Chancengleichheit und Zugang
- Praktische Tipps
- KI-Einsatz durch Lehrende
Lehrende wählen die passenden Bausteine aus, passen Formulierungen an und ergänzen bei Bedarf eigene Texte. Eine Live-Vorschau zeigt die entstehende Policy in Echtzeit. Das fertige Dokument lässt sich als HTML herunterladen oder als Text kopieren.
Technisch läuft das Werkzeug vollständig im Browser. Es werden keine Inhalte an einen Server übertragen – eine bewusste Designentscheidung, die Datensparsamkeit gewährleistet. Die Oberfläche ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Sowohl die generierten Policys (CC BY-SA 4.0) als auch der Quellcode (MIT-Lizenz) stehen unter offenen Lizenzen.
Version 3: Presets
Seit Version 3 (Januar 2025) stehen sechs Vorlagen bereit, die den Einstieg beschleunigen. Die Bandbreite reicht von einem vollständigen KI-Verbot bis hin zu einem Kurs, in dem KI-Kompetenz selbst Lernziel ist:
- AI-None – KI-Werkzeuge sind nicht erlaubt
- AI-Learn – KI darf zum Lernen verwendet werden, Prüfungen erfolgen ohne KI unter Aufsicht
- AI-DocShort – KI erlaubt mit einfacher Kennzeichnung (Tool und Zweck)
- AI-DocLog – KI erlaubt mit ausführlicher Dokumentation (Prompt-Protokoll und Reflexion)
- AI-Defend – KI-Nutzung ohne Einschränkung, Kompetenznachweis durch mündliche oder schriftliche Verteidigung
- AI-Skill – KI-Kompetenz ist Lernziel und wird benotet
Die sechs Presets des KI-Policy-Generators: von AI-None (KI verboten) bis AI-Skill (KI-Kompetenz als Lernziel)
Ein Entscheidungsbaum führt durch vier Fragen zum passenden Preset. Danach lässt sich die Vorlage weiter anpassen. Wer keine Vorlage nutzen möchte, kann nach wie vor einzelne Bausteine frei zusammenstellen.
Das Grundproblem bleibt
Individuelle Lehrveranstaltungs-Policys lösen ein Problem und schaffen zugleich neue.
Policy-Fatigue: Studierende erhalten zu Semesterbeginn in mehreren Kursen ähnliche Dokumente mit leicht unterschiedlichen Regeln. Wie bei Nutzungsbedingungen liest irgendwann niemand mehr mit – die Policy wird zur Pflichtübung, die niemand liest.
Bike-Shedding: Die Frage, wie man KI in der Lehre regeln sollte, scheint niedrigschwellig genug, dass jede Person eine Meinung dazu hat. Die Versuchung ist gross, mehr Zeit mit der Formulierung der Policy zu verbringen als mit der eigentlichen Lehre.
Es gibt keine einfache Lösung für dieses Dilemma. Längere Policys werden nicht gelesen, kürzere lassen Fragen offen. Icons und Kurzfassungen helfen bedingt, schaffen aber wieder Interpretationsspielraum. Letztlich führt der Weg wohl eher über das Gespräch mit Studierenden als über immer ausgefeiltere Dokumente.
Hinweise zur Nutzung
Der Generator versteht sich als Unterstützungsangebot, nicht als Verpflichtung. Die Website weist darauf hin, dass es keine Pflicht gibt, KI-Policys zu erstellen, und dass die Materialien keine offizielle Position der Universität Bamberg darstellen. Die generierten Texte sind Vorschläge – für den Inhalt und die rechtliche Konformität der fertigen Policy sind die Lehrenden selbst verantwortlich. Konkrete KI-Produkte werden bewusst nicht empfohlen; Nennungen im Tool dienen der Illustration.
Rezeption
Nach der Erstveröffentlichung wurde der Generator auf LinkedIn breit wahrgenommen. Mehrere Hochschulen haben das Werkzeug inzwischen in Weiterbildungsangebote für Lehrende integriert. Die offene Lizenzierung erleichtert die Nachnutzung: Andere Einrichtungen können die Textbausteine übernehmen und an ihre lokalen Gegebenheiten anpassen.
Weiterführend
- KI-Policy-Generator – das Werkzeug selbst
- Prüfungen und KI: Die Versuchung der Lehrenden – Blogbeitrag auf uni-mal-anders