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Bericht 08

Einführungstage der Universität Bamberg

Einflussreich, gut bewertet, weiterzuentwickeln – Eine Befragung zeigt: Studierende identifizieren sich sehr mit ihrem Studium und haben Freude daran.

Eine Befragung zeigt: Studierende identifizieren sich sehr mit ihrem Studium und haben Freude daran. Dies wird auch durch die Einführungstage unterstützt, die zentrale Informationen sehr erfolgreich vermitteln. Sie bieten jedoch auch noch weiteres Potenzial zur Stärkung von Vernetzung und sozialer Integration der Studierenden, insbesondere auch mit Studierenden höherer Semester und Lehrenden.

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Die Einführungstage für Studierende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sollen mehrere zentrale Funktionen erfüllen:

  • Orientierung im Studium: Vermittlung grundlegender Informationen zu Studienaufbau, Prüfungsordnungen, Stundenplanung und wichtigen Fristen.
  • Infrastrukturelle Integration: Kennenlernen zentraler Einrichtungen wie Bibliothek, IT-Dienste, Prüfungsamt, Beratung und studentische Services.
  • Soziale Integration: Aufbau erster Kontakte zu Mitstudierenden, Lehrenden und Fachschaften, was den Studienstart erleichtert und Studienabbrüchen vorbeugen kann.
  • Identifikation und Motivation: Förderung der Zugehörigkeit zur Universität und zum Fach sowie Klärung von Erwartungen und Anforderungen.

Ziel ist es, den Übergang in das Studium zu erleichtern, Unsicherheiten zu reduzieren und bessere Voraussetzungen für einen erfolgreichen Studienverlauf zu schaffen.

Eine Befragung von Erstsemesterstudierenden zeigt mit Blick auf die in den Einführungstagen vermittelten Informationen ein positives Bild. Die Erstsemesterstudierenden gaben mehrheitlich an, über den Ablauf des Studiums sowie über Campus und Bibliothek die notwendigen Informationen erhalten zu haben (siehe Abbildung 1). Dies deutet darauf hin, dass es in den Einführungsveranstaltungen sehr gut gelingt, zentrale Informationen zu vermitteln.

Die Befragung: Zum Jahreswechsel 2025/2026 wurden 123 Studierende im ersten Bachelor- bzw. Lehramtssemester mittels eines Online-Fragebogens zu ihren Erfahrungen mit den Einführungstagen der Universität befragt. Angeschrieben wurden 744 Studierende; die Rücklaufquote betrug 16,5%. Berichtet werden deskriptive Ergebnisse zu einzelnen Variablen sowie Befunde aus Ordered-Logit-Analysen. Dabei werden sogenannte Odds Ratios (OR) geschätzt. Diese geben an, wie sich ein Anstieg um eine Stufe auf der Skala einer unabhängigen Variable (z. B. „Informationen zum Studienablauf") auf die Chance (Odd) auswirkt, eine höhere Ausprägung der Zielvariable (z. B. Identifikation mit dem Studium) zu erreichen. Ein Odds Ratio von 2,04 bedeutet, dass sich die Chance auf eine höhere Kategorie (z. B. von „Trifft eher zu" zu „Trifft voll zu") um 104 % erhöht (etwas mehr als eine Verdopplung). Berichtet werden ausschließlich Effekte auf Signifikanzniveau von mindestens 10 % (p < 0,1).

Informationen sind wichtig

Erhalt notwendiger Informationen zu Ablauf des Studiums, Campus und Bibliothek, Einleben in das studentische Leben und Einleben in der Stadt Abbildung 1: Erhalt notwendiger Informationen

Besonders Informationen zum Ablauf des Studiums erhöhen die Identifikation mit dem Studium (OR=2,04; p<0,05; siehe zur Interpretation den Kasten „Die Befragung") sowie auch die Bereitschaft, Energie in das Studium zu investieren (OR=1,77, p<0,05).

Bedeutsam sind auch Informationen zum Einleben in das studentische Leben mit Mitstudierenden und Lehrenden sowie zum Einleben in Bamberg insgesamt. Für 75 % der Studierenden trifft es zu oder „eher zu", dass sie die notwendigen Informationen zum Einleben in das studentische Leben erhalten haben. Etwas geringer ist dieser Anteil bei Information zum Einleben in Bamberg. Hier sind noch Verbesserungen möglich und wichtig: Studierenden, die berichten, die notwendigen Informationen zum studentischen Leben erhalten zu haben, gelingt es sehr viel häufiger, Kontakte zu Mitstudierenden zu knüpfen (OR=3,65; p<0,01).

Bewertung des Studiums

Bewertung des eigenen Studiums: Identifikation, Freude, Energie, Selbstanforderung übertroffen, Zufriedenheit mit Leistung Abbildung 2: Bewertung des Studiums

Erfreulich sind die hohen Werte der Identifikation mit dem Studium und der Freude am Studium (Abbildung 2). Hier bestehen jeweils deutliche und hochsignifikante positive Zusammenhänge mit der Energie, die in das Studium investiert wird (jeweils OR>3,40; p<0,01).

Knapp 20% geben an, dass es (eher) nicht zutrifft, dass sie sehr viel Energie investieren, um in ihrem Studium erfolgreich zu sein. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, die Anforderungen im Studium höchstens so gut erfüllt zu haben wie ursprünglich selbst erwartet. Und auch bei der Zufriedenheit mit den eigenen Leistungen besteht noch Spielraum, um durch verbesserte Strukturen zu Studienbeginn die Motivation und Leistungsbereitschaft über die anfänglichen Erwartungen hinaus zu steigern.

Das BaKuLe-Teilprojekt „Onboarding" zielt darauf ab herauszufinden, inwieweit und mit welchen Mitteln es gelingen kann, durch eine neu gestaltete Einführungsphase die Studienkompetenz möglichst so deutlich zu verbessern, dass die Erwartungen von Studierenden in Bamberg erfüllt oder besser noch übertroffen werden.

Gestärkt werden sollen hierfür die Lernfreude und die Selbstorganisation. Erreichen wollen wir dies in kooperativen und projektförmigen Lehrveranstaltungen, in denen schon frühzeitig im Studium aktuelle, praxisrelevante Fragestellungen bearbeitet werden. Zugleich ist es ein Ziel, die Sinnhaftigkeit des methodischen und theoretischen Wissens durch praxisnahe Anwendungen bereits früh im Studium zu vermitteln. Insgesamt soll mit diesen Maßnahmen die Selbstwirksamkeit der Studierenden erhöht werden.

Mehr Kontakte knüpfen

Kontakte: Gut gelungen Kontakte zu knüpfen, Bedürfnis weitere Kontakte zu knüpfen, Kontakte zu Studierenden eigenes und höheres Semester, Kontakte zu Lehrenden außerhalb LV Abbildung 3: Kontakte

Durch diese Maßnahmen sollen auch Kontakte zwischen Studierenden, besonders auch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen höherer Semester, sowie mit Lehrpersonen intensiviert und damit die soziale Integration weiter unterstützt werden. Studierende äußern ein deutliches Bedürfnis nach mehr Austauschmöglichkeiten (Abbildung 3). Dabei gelingt die Kontaktaufnahme noch am ehesten mit Studierenden des eigenen Semesters, während Kontakte zu den Studierenden höherer Semester oder zu Lehrenden außerhalb von Lehrveranstaltungen bislang kaum zustande kommen.

Kontakte zu Studierenden in höheren Semestern gehen mit einer höheren Zufriedenheit mit den eigenen Leistungen im Studium einher (OR=1,68; p<0,05). Diese Kontakte verbessern auch die Einschätzung, dass die Anforderungen im Studium besser erfüllt wurden als ursprünglich erwartet (OR=1,88; p<0,01). Die außerhalb von Lehrveranstaltungen insgesamt seltenen Kontakte zu Lehrpersonen haben noch größere Effekte: Jeder Schritt auf der 4-stufigen Skala der Kontakte erhöht die Chancen für Zufriedenheit um das Doppelte (OR=2,00; p<0,05) und erhöht die Einschätzung, die Anforderungen im Studium besser erfüllt zu haben als erwartet, um fast das Dreifache (OR=2,89; p<0,01).

Resümee

Insgesamt zeigt sich: Während der Austausch innerhalb des eigenen Semesters meist gelingt, bestehen deutliche Defizite bei Kontakten zu Studierenden in höheren Semestern sowie zu Lehrenden über den Kontakt in der Lehrveranstaltung hinaus. Soziale Kontakte, das Erleben des universitären Lebens sind jedoch für Zufriedenheit und Leistungen besonders wirksam. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse insgesamt eine hohe Identifikation und Studienfreude, die dann auch eng mit dem Engagement im Studium zusammenhängen. Die Einführungstage erfüllen ihre Informationsfunktion sehr gut, bieten jedoch insbesondere bei sozialer Integration und Vernetzung noch Entwicklungspotenzial.

Das BaKuLe-Teilprojekt Onboarding und Absolventenbefragung: Die Befragung erfolgt im Rahmen des Projektes Onboarding des universitätsweiten Projektes BaKuLe (Bamberger Kulturen der Lehre gemeinsam gestalten). Ziel des Projektes ist es, die Einführung in das universitäre Leben, die Studienkompetenz sowie eine praxisorientierte wissenschaftliche Ausbildung zu verbessern. Einbezogen werden Lernende und Lehrende. Zudem werden Erfahrungen zum Studien- und Berufseinstieg vorheriger Kohorten miteinbezogen. Neu gestaltete Jahre des Onboardings werden in Pilotstudiengängen eingeführt und evaluiert.

Das Team: Prof. Dr. Anna Susanne Steinweg und Dr. Eva Katharina Treiber, Didaktik der Mathematik & Informatik; Prof. Dr. Stefanie Stricker und Dr. Marco Bruckmeier, Deutsche Sprachwissenschaft; Prof. Dr. Olaf Struck und Andreas Stöckl, M.Sc., Soziologie, Arbeitswissenschaft. In Kooperation mit Anna Pickelmann, Dezernat Planung und Qualitätsmanagement.