Wie lassen sich duale Studienprogramme gestalten, die wissenschaftliche Qualifizierung und betriebliche Anforderungen miteinander verbinden? Auf der BWP-Jahrestagung 2026 in Rostock stellte Francesca Taronna Ergebnisse ihrer qualitativen Interviewstudie vor und brachte damit Forschung aus dem BaKuLe-Teilprojekt AP10 in den wissenschaftlichen Austausch ein.
Vom 16. bis 18. September 2026 fand an der Universität Rostock die Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft statt. Unter dem Thema „Berufsbildungswissenschaft in Zeiten globaler Transformation und demokratischer Verantwortung" bot die Tagung Raum für die Diskussion aktueller Herausforderungen beruflicher Bildung.
Duale Studienprogramme als Verbindung zwischen Universität und Unternehmen
Im Rahmen der EMCR-Session präsentierte Francesca Taronna ihren Vortrag „Duale Studienprogramme als Boundary Infrastructures – Institutionelle Grenzorganisation zwischen Universität und Arbeitswelt". Darin gab sie erstmals auf einer wissenschaftlichen Tagung Einblicke in ihre qualitative Interviewstudie zu Erwartungen und Gestaltungsanforderungen an universitäre duale Masterprogramme.
Die Forschung ist im BaKuLe-Teilprojekt AP10 verankert und knüpft an die Entwicklung des Bamberg Dual Models an. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche kooperativen, curricularen und organisatorischen Arrangements eine tragfähige Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen ermöglichen. Damit greift die Untersuchung eine zentrale Herausforderung der Studiengangsentwicklung auf: Wie können wissenschaftlicher Anspruch, betriebliche Praxis und unterschiedliche institutionelle Erwartungen in einem gemeinsamen Studienmodell zusammenwirken?
Zusammenarbeit braucht verlässliche Strukturen
Die vorgestellten Ergebnisse der Interviewstudie verdeutlichen, dass die Verbindung von Universität und Unternehmen eine kontinuierliche Abstimmung ihrer unterschiedlichen Anforderungen erfordert. Wissenschaftliche Qualitätsansprüche, betriebliche Abläufe und Erwartungen an die Kompetenzentwicklung müssen dabei miteinander in Beziehung gesetzt werden.
In der Analyse wurden vier zentrale Gestaltungsbereiche herausgearbeitet: die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Beteiligten, die curriculare Verbindung wissenschaftlicher und praktischer Inhalte, die zeitliche und organisatorische Abstimmung sowie die Klärung von Rollen und Verantwortlichkeiten.
Zur theoretischen Einordnung griff der Vortrag auf das Konzept der „Boundary Infrastructures" zurück. Bowker und Star (1999) beschreiben damit Infrastrukturen, die mehrere Praxisgemeinschaften verbinden und gemeinsame Strukturen mit lokalen Unterschieden vereinbaren. Die vorgestellte Studie nutzt dieses Konzept als analytische Perspektive auf duale Studienprogramme. Sie untersucht, welche Vereinbarungen und Abstimmungsprozesse die Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen unter ihren jeweils unterschiedlichen Anforderungen ermöglichen.
Impulse für Forschung und Hochschulentwicklung
Die anschließenden Diskussionen und Gespräche eröffneten neue Perspektiven auf die Ergebnisse und lieferten Anregungen für die weitere wissenschaftliche Ausarbeitung. Für Francesca Taronna war die Präsentation zugleich ein Meilenstein auf dem Weg zum ersten wissenschaftlichen Paper im Rahmen ihrer Promotion.
Für das BaKuLe-Teilprojekt AP10 bot die Tagung die Gelegenheit, die Forschung zum Bamberg Dual Model im Fachpublikum sichtbar zu machen und mit aktuellen berufs- und wirtschaftspädagogischen Debatten zu verknüpfen. Die herausgearbeiteten Gestaltungsbereiche bieten Orientierung für die weitere Entwicklung: Sie zeigen, welche Fragen Universität und Unternehmen gemeinsam bearbeiten müssen, damit wissenschaftlicher Anspruch, Praxisbezug und verlässliche Studienbedingungen zusammenwirken können.
Literatur
Bowker, G. C., & Star, S. L. (1999). Sorting things out: Classification and its consequences. MIT Press. https://doi.org/10.7551/mitpress/6352.001.0001