Future Skills
Kompetenzen für gesellschaftlichen Wandel

Zukunft gestalten lernen. Die Welt verändert sich ständig und mit ihr die Gestaltungsspielräume für Studierende. Für die Welt, die morgen schon eine andere sein wird, brauchen sie heute Kompetenzen, um diese Spielräume zu erkennen und zu nutzen. Wir wollen Future Skills zum festen Teil des Studiums machen.
Idee
Wir leben in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher, technologischer und ökologischer Veränderungen. Die Zukunft, die durch diese Transformationsprozesse geprägt wird, ist jedoch keine Naturgewalt: Sie wird von uns beeinflusst – mehr noch, sie wird von uns kontinuierlich mitgestaltet (vgl. Gaub 2023: 7).
Um mit dieser Zukunft selbstbewusst und verantwortungsvoll umgehen zu können, benötigen Studierende sogenannte Future Skills (vgl. z.B. Rampelt et al. 2025).
Im AP 07 werden unterschiedliche Facetten dieser Kompetenzen adressiert. Dazu gehören AI Literacy, Mehrsprachigkeit sowie die Fähigkeit, gesellschaftliche Transformationsprozesse aktiv und gemeinwohlorientiert mitzugestalten.
Diese Kompetenzen befähigen Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen dazu, in verschiedenen Kontexten dialogorientiert zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen, technologische Entwicklungen reflektiert zu nutzen und gemeinsam tragfähige, nachhaltige Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Ansatz
Wir entwickeln ko-kreativ mit Studierenden Pilot-Formate, die anschließend in neue Qualifikationsmodule fließen sollen. Dabei setzen wir drei Schwerpunkte, die in miteinander verzahnten Teilprojekten bearbeitet werden.
Mehrsprachigkeit nutzbar machen
Viele Studierende wachsen mehrsprachig auf und sprechen neben Deutsch eine Herkunfts- oder Familiensprache. Für eine berufliche Nutzung fehlen jedoch oft die erforderlichen schriftsprachlichen Kompetenzen – etwa beim Verfassen strukturierter Texte, beim angemessenen Gebrauch von Fachsprache oder bei der Orientierung an formalen und stilistischen Konventionen.
In diesem Teilprojekt entwickeln Studierende ihre schriftsprachlichen Fähigkeiten in ihren Herkunftssprachen und schärfen ihre Sprachbewusstheit (vgl. Wildemann u. a. 2020), sodass sie ihre Mehrsprachigkeit als Ressource für Studium und Beruf gezielt nutzbar machen.
Dazu entwickelt der Lehrstuhl für Slavische Sprachwissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Sandra Birzer ein KI-gestütztes Tool, das unterschiedliche Sprachbiographien und -kompetenzen berücksichtigt und Studierende beim Erwerb schriftsprachlicher Kompetenzen möglichst individuell unterstützt.
Textkompetenz in Zeiten generativer KI
Das Verfassen von Texten hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. KI-Anwendungen vermögen es, in Sekundenschnelle kohärent erscheinende Texte zu generieren. Die Verlockung ist dementsprechend auch unter Studierenden groß, zu erstellende Texte einfach unreflektiert aus KI-Anwendungen zu übernehmen.
Diese Art der KI-Nutzung ist nicht empfehlenswert, da sie zu einem Deskilling, also zu einem Degenerieren der Schreibfähigkeiten in Bezug auf Adressat*innenorientierung, Argumentationsführung und sprachliche Ausdrucksfähigkeit führen könnte.
In diesem Teilprojekt (angesiedelt am Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft ) unter Leitung von Prof. Dr. Julia Schlüter lernen Studierende, wie sie KI verantwortungsvoll einsetzen und diese neuen Technologien für den Ausbau ihrer Schreibfähigkeiten nutzen können (vgl. Buck 2025).
Sie erarbeiten sich KI-Kompetenzen (vgl. Ehlers u. a. 2023), die weit über „Effizienzsteigerung“ hinausgehen: Sie schreiben kompetente, präzise, glaubwürdige Texte, argumentieren klar und kommunizieren kulturell sensibel – für Wissenschaft, Unterricht, Outreach, Marketing, Förderanträge, internationale Kooperationen und Teamarbeit.
Future Skills für gesellschaftliche Transformation
Wie können Studierende gesellschaftlichen Wandel nicht nur verstehen, sondern aktiv mitgestalten?
Der Lehrstuhl für Geographie I (Kulturgeographie) und das Büro für Innovation, Transfer und Gründung (BIG) entwickeln genau dafür Lehrformate, in denen Studierende aller Fachrichtungen reale gesellschaftliche Fragestellungen bearbeiten, eigene Ideen entwickeln und praktisch erproben. Dabei erwerben sie Future Skills, die sie befähigen, eigene Lösungsansätze für nachhaltige positive Veränderungen zu entwickeln und in Studium, Beruf und privatem Umfeld wirksam und gemeinwohlorientiert zu handeln.
Im Mittelpunkt stehen projektbasiertes Arbeiten an realen Problemstellungen, inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit in geschützten Experimentierräumen sowie ko-kreative Prozesse mit Partner*innen aus Gesellschaft, Wirtschaft und öffentlichem Leben. So entstehen Lehr-Lernumgebungen, in denen Studierende Selbstwirksamkeit erfahren und lernen, Verantwortung zu übernehmen, Perspektiven zu wechseln und eigene Ideen in die Umsetzung zu bringen.
Literaturangaben
- Buck, I. (2025). Wissenschaftliches Schreiben mit KI. Studieren, aber richtig. Tübingen: UVK Verlag.
- Ehlers, U.-D., Lindner, M., Sommer, S. & Rauch, E. (2023). AIComp – Future Skills in a World Increasingly Shaped By AI. Ubiquity Proceedings 3(1), S. 230–239.
- Gaub, F. (2023). Zukunft. Eine Bedienungsanleitung. 2. Auflage. München: dtv Verlagsgesellschaft.
- Kotsiou, A., Fajardo-Tovar, D. D., Cowhitt, T., Major, L. & Wegeri, R. (2022). A scoping review of Future Skills frameworks. Irish Educational Studies 41(1), S. 171–186.
- Rampelt, F., Matthes, W., Hannken-Illjes, K., Sandmeir, A., Gehrs, V., Horstmann, N., Kunz, A. M., Eigbrecht, L., Johannsen, T., Blum, S., Frank, S., Sutter, C. & Koch, H. (2025). Future Skills 2030. Ein aktualisiertes Framework für Zukunftskompetenzen. Berlin: Stifterverband.
- Wildemann, A., Bien-Miller, L. & Akbulut, M. (2020). Mehrsprachigkeit und Sprachbewusstheit – empirische Befunde und Unterrichtskonzepte. In: Gogolin, I., Hansen, A., McMonagle, S. & Rauch, D. (Hrsg.): Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung (S. 119–123). Wiesbaden: Springer VS.